Kuscheln gegen Sexsucht

Hier findet ihr den ersten Teil des Berichtes von Max über seine Sexsucht, und wie es ihm damit in den Kuschelsessions ergangen ist. Sein Bericht enthält teilweise explizite Beschreibungen seiner Sucht und seiner seelischen Not.

Erfahrungsbericht

von Max (31) aus Berlin

„Sex ist schön, aber nicht alles.“ (Elisa)

Es ist so angenehm, etwas tun zu können aber nicht mehr zu müssen.

Vorgeschichte

Vor ein paar Jahren hörte ich zum ersten Mal von der Kuscheltherapie und lief auch schon dem Buchtitel und -cover von Elisas Buch „Berührungshunger„; über den Weg. Es sollte allerdings noch ein paar Jahre dauern, bis ich mich durch einen angenehmen Zufall, in dem mir das Buch und die Kuscheltherapie wieder begegnete, dazu veranlasst fühlte, das Ganze nun endlich anzugehen.
Nun war die Zeit reif für mich, die Kuscheltherapie einmal auszuprobieren. Ich begann das Buch zu lesen und mir wurden Seite um Seite, Zeile um Zeile die Augen geöffnet. Ich erkannte mich darin wieder. Und ich fühlte mich plötzlich nicht mehr so allein mit meiner Sex-Verwirrung/Sex-Sucht und meiner verzweifelten Suche nach Bestätigung, Nähe, Anerkennung und Liebe im Bordell und generell bei Frauen (trotz und auch bei der Freundin).

Ich habe seit frühester Kindheit emotionalen und sexuellen Missbrauch sowie physische Gewalt durch meine Mutter kombiniert mit Phasen langer Einsamkeit (und einem mental und emotional abwesenden Vater) erfahren und einen Mechanismus entwickelt, in seelischer Not Halt bei der nächstbesten Frau zu suchen. Mit 4 oder 5 hatte ich schon zufällige erste Orgasmen in der Badewanne, die ich nicht einordnen konnte und mit Scham verband. Mit 11 begann ich zu onanieren (noch bevor ich geschlechtsreif war) und mit 13 begann meine Porno-Sucht. Mit 14 war ich
geschlechtsreif. Mit 16 begann der Sex. Mit leerer Mitte und verzweifeltem Herz. Nie wirklich ankommend. Viel zu (aufg)erregt.

Seit ich 10 war, war ich über Jahre hinweg unglücklich in ein Mädchen verliebt. Ich traute mich nicht, ihr meine Liebe zu gestehen, da dieses Verlangen nach ihr sehr diffus war und ich nicht wusste, was das alles zu bedeuten hatte. In dieser Zeit (Pubertät) entwickelte ich Depressionen und wurde chronisch unglücklich. Heute weiß ich, dass dieses diffuse und enorm starke Bedürfnis nach Liebe zu/mit diesem Mädchen sowie die Ohnmacht, mit diesem Gefühl nicht umgehen zu können, vor allem eine große Projektion und Mutter-Übertragung war. Eine Fortführung der Beziehung zu meiner Mutter sozusagen. Das Mädchen wirkte traurig, schön, tief und fern. Das zog mich an. Wenn ich heute nicht in meiner Mitte bin, werde ich immer noch bedürftig und schwach bei bedürftigen Frauen und suche danach, mich zu „verlieben“.

Und ich weiß nun, dass das professionelle Kuscheln besser hilft als alles andere zuvor, diesen Mechanismus zu heilen. Es ist die perfekte Nachnährung und bewirkt großartige Heilung. Das kann ich jetzt schon sagen, nach der Lektüre des Buches und der ersten Kuschelsession, die ein voller Erfolg war und den Grundstein für die weitere Arbeit an mir gelegt hat. Auch mein Therapeut, bei dem ich seit Kurzem bin, staunte ob meiner schnellen Fortschritte angesichts des Kuschelns. Es scheint mir wirklich die perfekte Ergänzung dazu zu sein.

Schon in meinem ersten Kuschelwunsch-Anschreiben offenbarte ich Elisa meine Situation, dass ich regelmäßig zu Prostituierten gehe (ich komme aus und lebe (wieder) in Berlin; ich bin 31) und ein generelles Unvermögen empfinde, Frauen nicht-sexuell zu begegnen und nicht als potentielle Sex-Partner zu sehen. Ein Zustand, den ich als suchtartig empfinde, weshalb es mir nicht immer leicht fällt, mich dem therapeutisch zu stellen. Jedoch belastend genug, um dem Mechanismen-Biest nun endgültig an den Kragen zu gehen.

1. Sitzung

Zu Beginn der ersten Sitzung formulierte ich gemeinsam mit Elisa mein Ziel für diese Session: beim Kuscheln nicht sexuell erregt zu werden und einen anderen Zugang zu weiblicher Berührung zu finden als über Sex (auch in Gedanken, also wie ich Frauen anschaue; eine andere Haltung also grundsätzlich zum Weiblichen zu bekommen).

Während der Sitzung dann geschah es, dass ich beim Kuscheln (ich blieb zunächst in einer passiven, empfangenden Position) in einen Inneren-Kind-Modus gelangte und nach mehrmaligen verbalen Einladungen von Elisa meiner Unsicherheit durch Verbalisieren und vor allem durch einfaches kindliches Fragen Raum verschaffen konnte.
So konnte ich meiner Angst vor (potentiell) sexuellen Übergriffen in einem geschützten Raum begegnen und siehe da: nachdem ich genug naive Fragen gestellt hatte (z.B.: „Warum ist es so warm dort wo mein Rücken deinen Schoß berührt?“) und Elisa stets sehr erwachsen und neutral (aber immer zugewandt und liebevoll) darauf reagierte und meine Fragen beantwortete („Weil Frauen generell in der Bauch- und Unterbauchregion immer etwas wärmer sind, das ist ganz normal und hat nichts mir sexueller Erregung zu tun.“), machte es plötzlich in der Mitte der Sitzung „plopp“; und meine
Angst war weg und ich nahm Elisa nicht mehr als potentielle (und potentiell übergriffige) Sex-Partnerin und damit (aus Kindposition) als Bedrohung wahr, sondern als Mensch, als neutrales und wunderbares Gegenüber, gleichwertig, normal. Ich nahm sie nicht mehr persönlich sondern konnte sie einfach so annehmen und respektieren, trotz engem Körperkontakt. Wir wurden immer ebenbürtiger. Ich gestand ihr ihr Sein zu, mit ihrer Sexualität, die plötzlich nichts mehr mit mir zu tun hatte (und das hatte sie vorher nur in meinem Kopf, in meiner Angst). Dadurch wurde ich selber stark und autark. Ich spürte das direkt körperlich, wie sich mein Rücken stärkte und ich einfach viel bewusster und für einen langen Moment völlig angstfrei würde.

Sobald ich wahrnahm, dass ich erregt werde, verbalisierte ich das gegenüber Elisa sofort und stufte die beginnende Erektion auf einer Skala von 0 bis 10 ein. Meist kam ich nicht über die 2 hinweg, dann verging die nahende Angst-Erregung wieder.

Elisa hat die besondere Gabe einfach, befreit und authentisch im Moment zu sein, ohne Bedürftigkeit. Das ist – so merkwürdig es klingen mag – neu für mich. Und sehr heilsam. Denn ich bin mit einer sehr bedürftigen Mutter aufgewachsen und deshalb suche ich noch immer unbewusst nach bedürftigen Frauen, wo ich irgendwie (meistens läuft es auf etwas rein Sexuelles hinaus) andocken kann. Mit jemandem wie Elisa kann ich mich nun heilsam umprogrammieren, sodass ich nicht mehr so viel (sexuelle) Bedürftigkeit in mein Leben ziehe und selbst weniger bedürftig werde. Das Gesetz der Resonanz und auch das der Anziehung. Beide haben sich schon verändert und die Heilung macht sich in der Reaktion der Leute auf mich bemerkbar.

Nach der Sitzung beim Tschüß-sagen bemerkte ich, wie anders die Wirkung des Kuschelns ist. Nicht so sehr Dopamin wird ausgeschüttet, sondern vielmehr Oxytocin und Serotonin. Es hat eine beruhigende Wirkung. Mein System erwartete noch den üblichen Dopamin-Kick. Doch den gab es nicht. Es war eine andere Kraft, die eher von unten – aufbauend – in mich hinein strömte und der ich seltsam ruhig gewahr wurde. Ich konnte es noch nicht zu 100 % annehmen, da ich es nicht gewohnt war, und so war ich innerlich etwas aufgewühlt, als ich dann wieder auf mich allein gestellt unten die Straße betrat.

Mein Sex-Sucht-Mechanismus (die Suche/Sucht nach dem gewohnten und sehr mächtigen Dopamin-Kick) suchte wieder Halt bei allen möglichen Frauen, die ich auf der Straße sah. Und nun geschah das Wunder: Er griff nicht mehr. Wie eine Immunität nach einer Impfung oder einer Infektion fühlte es sich an und diese Empfindung ist seitdem fest installiert. Die Erreger sind noch in meinem Körper, aber sie sind abgeschwächt/tot. Ich sah die Frauen an und konnte sie nach kurzem als Mensch sehen, nicht mehr als Sex-Objekt. Ich habe auch kein Bedürfnis mehr, zu Prostituierten zu gehen oder Pornos zu schauen. Ich suche nach dem Bedürfnis in mir, aber es nicht mehr da. Nach nur einer Sitzung. Ein Volltreffer. Es ist merkwürdig, es fühlt sich auf eine Art so an, als ob nun etwas fehlen würde. Tut es auch: die Krücke. Denn ich kann wieder laufen.

Am Abend, als ich wieder zu Hause war, war ich leicht traurig. Am nächsten schien die Sonne und die Wolken waren weg.

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