Anleitung zum Überleben in Coronazeiten

Keine Panik! Abstand halten! Soziale Isolation!

Ab heute gilt in Deutschland  die Kontaktsperre, in manchen Bundesländern auch die Ausgangssperre!

Inspiriert durch das Interview mit dem Magazin „WIENERIN“ schreibe ich hier ein paar wichtige Punkte für euch zum Überleben der Krise nieder.

Für jeden fühlen sich 2 Wochen Isolation unterschiedlich an

Mag ich meine Ruhe und bin eher introvertiert? Dann betreffen die neuen Regeln mich nicht so sehr wie andere, weil sich in meinem Verhalten nicht viel ändert. Ich habe keinen großen Freundeskreis, und mit meinen Freunden halte ich auch eher per skype Kontakt. Interaktion mit fremden Menschen strengt mich eher an. In diesem Fall: Freu dich! Du bist in einer besonders privilegierten Situation, du wirst die Krise gut und ohne große Schäden überstehen.

Bin ich total verkuschelt und verbringe am liebsten Zeit mit meiner Familie zu Hause? Juhuu, die Krise ist ein Glücksfall für mich! (So wie für die meisten Hunde auch. So wie zum Beispiel dieser Dackel, der sich vor Freude sein Schwänzchen verstaucht hat!) Endlich kann ich meine Liebsten den ganzen Tag lang sehen. Da mein Kuschelbedürfnis eigentlich nie gestillt ist, sind 2 Wochen viel zu kurz! Gratulation, auch du wirst die Krise gut überstehen. Das Ende wird dafür umso unangenehmer werden, wappne dich dagegen, indem du dich langsam wieder an das Leben da draußen gewöhnst.

Bin ich in Beziehung und habe ein normales Nähebedürfnis? Für diesen Fall beginnt nun die Suche nach der richtigen Balance. Wenn ihr zusammenwohnt, ist es wichtig, euer Kuschelbedürfnis aber auch euer Distanzbedürfnis auszudrücken. „Schatz, ich bin jetzt mal eine Weile für mich!“ Tür zu (ich hoffe ihr habt eine) und Ruhe ist. Es ist eine schlechte Idee für den anderen, dann noch an der Tür zu klopfen und die Ruhephase zu unterbrechen. Denn eine Grenze soll nur von demjenigen aufgehoben werden, der sie gesetzt hat. Sonst entsteht sehr leicht eine latente Genervtheit.

Der biologische Hintergrund hierzu: Das Nähe-, bzw Berührungsbedürfnis kann man sich als leeren Tank in einem Auto vorstellen. Wenn der Tank leer ist, läuft gar nichts. Wenn der Tank voll ist, dann ist es kontraproduktiv, weiter nachzufüllen. Erst mal muss das Auto sich bewegen, also Sport machen, Arbeit, usw. Dann kann wieder aufgefüllt werden. Wird der Tank überfüllt, kann es leicht sein, dass ein winziger elektrischer Funke eine Explosion auslösen kann. Das kann dann so aussehen, dass im einen Moment alles noch freundlich und harmonisch ist, dann aber plötzlich wie aus dem Nichts eine Stressreaktion kommt. „Bleib mir vom Leib“ bedeutet das dann in der Regel. Das ist kein persönlichef Angriff, es ist nur der Körper, die Seele, die eine Distanz schaffen, um wieder zu sich zu finden.

Kennt ihr das, wenn man zu lange an einer Stelle streichelt? Die Rezeptoren an dieser Stelle durchlaufen 3 Phasen: Wohlbefinden, Taubheit, Schmerz. Das kann sich auch im großen in der Beziehung abspielen, wenn es zu viel Nähe und zu wenig Abstand gibt.

Experimentiert mit dieser Balance und seht es als Lernerfahrung. Wenn ihr nicht im gleichen Haushalt wohnt, geht es eher darum, genug gemeinsame Zeit zu finden. Auch hier muss das richtige Verhältnis erst einmal erspürt werden.

Bin ich eigentlich ein sehr sozialer, kontaktfreudiger Mensch, habe aber weder Familie noch Beziehung und bin nun in meiner Singlebude gefangen? Ich vermute, dass sich ein Großteil der Menschen in dieser Kategorie befinden, deswegen gibt’s für euch ein extra Kapitel.

Hilfe, holt mich hier raus!!

Für alle, die unfreiwillig isoliert sind, gibt es viele verschiedene Handlungsmöglichkeiten.

1) Suche dir einen Quarantänepartner. Du bist zwar single, hast aber Freunde? Dann such dir einen davon aus, den du regelmäßig besuchen kannst, bzw. könnt ihr sogar kurzzeitig zusammenziehen! Scheiß auf Bindungsängste! Es ist ja erst mal nur für 2 Wochen. 😉 Ihr könnt euch in diesen verrückten Zeiten gegenseitig unterstützen, so wie diese 3 alten Damen zum Beispiel.

2) Online Kontakt galore! Viele Menschen sind derzeit online vernetzt. Entweder gibt es einen Skypeanruf nach dem nächsten, oder es werden permanente Zoom-Meetings aufgemacht, wo man jederzeit dazustoßen kann. Viele Selbstständige bieten online Kurse für alles an, was man so allein zu Hause unter Anleitung machen kann. (Yoga, Sport, Tanz, Meditation) Es hilft! Ein temporäres Gefühl von Verbundenheit entsteht, eine Euphorie über die Sichtbarkeit der anderen, die nun alle im Bildschirm leben. Selbst eingeschlafene Kontakte werden reaktiviert. Das hilft vor allem auf psychologischer Ebene.

3) Nachbarn winken. Man sieht sich im Treppenhaus, beim Müll rausbringen, im Supermarkt? Es schadet nichts, ab jetzt so richtig freundlich und aufmunternd zu grüßen und zu winken. Auch Augenkontakt ist sehr wichtig. Selbst wenn diese den Kopf schütteln und grummeln: gute Laune ist ansteckend. Das hat den Effekt, dass man sich in seiner Wohnung nicht komplett allein fühlt, sondern die anderen Menschen drumherum „fühlt“. Die geilste Variante von diesem Punkt ist das gemeinsame Balkonmusizieren. Damit wird akustischer Kontakt hergestellt, und man fühlt sich weniger allein.

4) Kreativität ausleben. Kennt ihr das? Ihr vertieft euch in eine Sache und plötzlich sind mehrere Stunden vergangen? Das passiert mir zum Beispiel jetzt gerade beim Schreiben dieses Textes. Man kann gar nicht aufhören, bis es fertig ist. Das Bild, der Text, der Song, das Kleidungsstück. Egal was es ist eigentlich. Denn Langeweile und viel viel übrige Zeit kann Platz für deine kreative Ader machen. Es bringt dich in Kontakt mit einer Seite von dir, für die im Alltag vielleicht kaum Zeit ist?

5) Putzen und aufräumen. Das sind schon sehr haptische Beschäftigungen, die einerseits deinen Drang, etwas zu tun, sättigen, und andererseits einen angenehmen Nebeneffekt haben, nämlich eine saubere Wohnung. Es kann eine große Befriedigung für deinen Körper sein, dein direktes Umfeld kontrollieren und verändern zu können, in Zeiten, in denen deine Freiheit doch sehr eingeschränkt ist. Vor allem negative Gefühle können dadurch unter Kontrolle gebracht werden.

6) Tanzen. Musik auflegen und lostanzen. Der Vorteil: da niemand dich sieht, kannst du endlich mal genau so tanzen, wie es sich für dich richtig anfühlt. Tanzen schüttet natürlich auch Glückshormone aus. Es ist im Grunde eine aktive Bewegungsmassage für den Körper. Wenn du dazu auch noch singst, ist eine positive Stimmung für die nächste Stunde garantiert. Singen hilft gegen Angst und Stress, das ist wissenschaftlich bewiesen. (Man muss dafür nicht mal besonders gut singen.)

7) Meditieren: Ist sauschwierig, aber lohnt sich, wenn man durchhält. Beim Meditieren verschwinden nach und nach Gedanken und Gefühle nach einem kurzen Aufbäumen. Das heißt, wenn man die anfängliche Gedankenflut erfolgreich überstanden hat, folgt danach eine angenehme, allumfassende Stille. Zeit und Raum verschwinden, Ich selbst verschwinde. (Dieser Effekt ist auch bei anderen subtanzinduzierten Praktiken zu spüren, auf die hier nicht näher eingegangen wird.) Meditieren kann also den Geist, die Seele und den Körper beruhigen, weil es das Gefühl von Isolation und Alleinsein auflöst, und sogar das Gefühl von intensiver Verbundenheit herstellen kann.

8) Ein Ratschlag, der mehr auf die körperliche Eben ziehlt: Körperpflege und Selbstberührung. Mach deine Hygienemaßnahmen zum Ritual. Seife, Zahpaste, Shampoo, Badezusatz: Es sieht hübsch aus, riecht lecker, schäumt lustig. Stellt euch vor, jeder Körperteil hat ein Eigenleben und will beachtet werden. Also Bein, Fuß, Zehen usw, alles will extra beachtet und angefasst werden, sonst fühlt es sich traurig und übergangen. Körperlotion ist eine super Ausrede, um den gesamten Körper zu streicheln. Auch Berührungen im Intimbereich (ohne Seife und Creme bitte) sind nicht zu vergessen. Ob mit oder ohne Orgasmus, auch die Geschlechtsteile wollen nicht ausgespart werden. Schlussendlich gibt es neben dem Streicheln auch die Selbstmassage, also einfach da fester kneten, wo der Körper sich gerade angespannt fühlt. (Bei mir ist es immer der Nackenbereich.) Selbstberührung löst angenehme Botenstoffe wie Endorphine und Oxytocin aus, sexuelle Berührungen im speziellen Dopamin und Adrenalin. Damit regulierst du deinen Körper mit seinem Hormonhaushalt selbst und bist nicht mehr hilflos deinen Emotionen ausgesetzt. (Dazu wird es auch bald ein Onlineseminar von der KuKi geben.)

Hände weg!

Es gibt natürlich auch Dinge, die man lieber nicht tun sollte, da sie sehr schnell zur Gewohnheit werden können. Diese wird man dann nach der Quarantänezeit nur mehr schwer los!

Berührungshunger verleitet uns leider sehr schnell dazu, zu irgendwelchen Ersatzhandlungen zu greifen, die unser ganzes System beruhigen, also herunterfahren. Das Gehirn wird sozusagen vernebelt, um das primäre Bedürfnis nicht mehr wahrnehmen zu müssen.

Das betrifft zum Beispiel und vor allem Essen, Alkohol, Kiffen, Computerspiele, Filme und Serien „bingewatchen“. Die ersten Dinge sind für den Körper sehr schädlich im Übermaß und können deine Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. Außerdem verlierst du in so einer Situation wie der Quarantäne schnell den Überblick und die Selbstkontrolle kann komplett aussetzen. Normalerweise hat man Termine und Treffen, auf die man vorbereitet sein muss. Wenn diese wegfallen, kann man sehr schnell in eine Abwärtsspirale der Verwahrlosung geraten. Der Medienkonsum wiederum ist weniger körperlich als geistig schädlich. Auch hier verlierst du schnell den Überblick und kannst in eine Endlosschleife geraten. Wenn du etwas anschaust, dann versuche Pausen einzubauen und definitiv ein Ende. Zum Beispiel, indem du parallel mit anderen Leuten schaust. Kombiniere diese sehr asoziale Tätigkeit mit einem sozialen Aspekt.

Dein Leben ist nicht auf Pause, und es geht nicht darum, die leere Zeit so gut wie möglich zu verdrängen oder zu vergessen! Im Gegenteil, jetzt hast du endlich mal Zeit, deine eigenen Interessen zu verfolgen, zu dir zu kommen, dich auszudrücken!

Ich wünsche dir gutes Gelingen!

 

  • Eure Elisa

 

3 Replies to “Anleitung zum Überleben in Coronazeiten”

  1. Vielen Dank, es ist einfach nur großartig, was ihr macht und auch die neue Idee des Kuschel-Datings finde ich einfach super, ich hoffe, es findet sich dann auch in meiner Gegend (Österreich / Wien) jemand zu kuscheln, denn ich muss zugeben es fehlt mir sehr. Ich bin seit einem Monat wieder Single und da macht einem die Isolation jetzt doppelt zu schaffen. Für mich ist kuscheln einfach ein Grundbedürfnis, wie Essen und Atmen und ich tue mir echt schwer damit ohne zu leben. Ich möchte mich daher auch nochmal extra bei Dir (Elisa) für dein Online-Seminar bedanken. Ich war Anfangs zugegeben eher skeptisch, was soll es bringen sich selbst zu streicheln / massieren, aber es hat mir dann überraschen gut getan, ich werde es jetzt öfter machen. Was nichts daran ändern, das ich auch mal wieder richtig kuscheln möchte, wo die Streicheleinheiten auch zurück kommen.

    Ich weiß nicht, ob das hier der passende Rahmen ist, aber ich möchte dennoch ein paar Kuschelerfahrungen hier los werden, gibt da auch ein paar nicht so tolle, auch wenn die positiven Erlebnisse bei weitem überwiegen. Ich war mit meiner damaligen Partnerin am Kuscheln, sie war jetzt nicht so der Fan wie ich erst später erfahren habe, darum war sie die meiste Zeit auch eher passiv und habe die Zärtlichkeiten kaum erwidert. Was mich aber wirklich getroffen hat, war ein Spruch den sie mal dabei los gelassen hat „Bist du bald fertig mit kuscheln, willst du nicht endlich zur Sache kommen“ das hat echt weh getan, ich bin jetzt sicher kein Softie, aber ich hätte da fast zu weinen begonnen, so weh hat das getan. Ich wollte nur kuscheln, ich war an dem Tag wirklich müde und wollte einfach nur die Nähe und Geborgenheit spüren, mehr nicht. Kuscheln ist nicht immer eine Aufforderung für mehr, aber offenbar ticken einige Menschen so und können das nicht unterscheiden. Vielleicht ein kleiner Hinweis an alle weiblichen Wesen hier, nur wenn ein Mann eine Erektion bekommt beim kuscheln, dann heißt das nicht zwangsläufig, das er jetzt auch Sex will, das kann auch einfach auch so passieren, wenn man entspannt ist oder sich etwas einfach super gut anfühlt. Ich weiß nicht, ob man das irgendwie (mental) verhindern kann aber warum sollte ich das machen, das lenkt viel zu sehr vom genießen ab und es fühlt sich ja auch irgendwie gut an und es gehört zum Mann sein auch dazu finde ich.

    Und das hier jetzt keine Missverständnisse auftauche, ich liebe Sex natürlich, wie wahrscheinlich jeder hier, aber ich kann auch sehr gut kuscheln ohne Sex. Sexuelle Freuden kann man sich zur Not auch selbst „schenken“ beim Kuscheln sieht es hier etwas anders aus, mit sich selbst kuscheln ist irgendwie schwierig. Absichtslose Berührungen kommen in unserer Gesellschaft sowieso viel zu kurz, wie ich finde, dabei gibt es doch nichts schöneres jemanden zu berühren und die einzige Motivation dabei ist, Freude und Wohlbefinden zu schenken, ohne dafür einen Gegenleistung zu erwarten und wenn man dann doch etwas zurück bekommt, dieses Geschenk auch dankbar anzunehmen und auch genießen zu können, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dafür eine Leistung erbringen zu müssen.

    Vielleicht bin ich auch nur ein Träumer, der von einer besseren Welt träumt, aber ihr schafft im Augenblick genau den Raum um diese Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen und dafür möchte ich mich noch einmal bei allen, die dass hier ermöglichen Bedanken.

    Andreas

    P.S.: sorry für den langen Kommentar, es gab so viele Dinge die ich euch einfach sagen wollte.

    1. @Andreas: Wow, danke für deinen Kommentar und deine Offenheit, ich kann das genauso unterschreiben. 🙂 Deinen Traum von der besseren, berührteren Welt teile ich ebenfalls und hoffe auch sehr, dass wir uns immer mehr in diese Richtung bewegen. <3

      1. @Katharina, danke ich hatte schon befürchtungen, dass mein Kommentar gar nicht veröffentlich wird, weil ich so offen war und vielleicht ein paar Dinge gesagt habe, die etwas zu ehrlich und offen waren, aber zum Glück war dem nicht so. Es freut mich das es offenbar mehr gleichgesinnte gibt als ich geglaubt habe.

        Habe eine meiner Webseiten, angegeben, hat jetzt nichts mit diesem Thema hier zu tun, aber wenn du magst, kannst du dort mit mir persönlich Kontakt aufnehmen. Ich hoffe wirklich, das es hier zu einem Umdenken bei den Menschen kommt und wir offener werden und zu unseren Bedürfnissen stehen.

        @Elisa, ich wollte euer Projekt (Kuschel-Date) unterstützen, geht das noch, oder ist das schon abgeschlossen ?
        ich werde das ganz sicher nutzen, eine großartige Idee, wie ich finde.

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