Kuscheln als neue Berufsform

Der Beruf des professionellen Kuschlers: Eine absolute Neuheit.

Was viele Menschen an unserem Beruf irritiert, ist der Fakt, dass theoretisch jeder Kuschler werden kann. Man braucht keine Ausbildung oder spezielle Geräte. Man kann sich theoretisch von einem Tag auf den anderen dazu entscheiden. Das unterscheidet unseren Beruf von den meisten anderen.

In unserer Gesellschaft wird es in der Berufswelt bald zu einem krassen Wandel kommen. Das hat nicht nur Richard David Precht erkannt. (Hier das Video zu Thema.) Viele Bereich unserer Dienstleistungsgesellschaft sind davon betroffen: Es wird enorm viele Arbeitslose geben. Dieser Wandel wird nicht nur zum bedingungslosen Grundeinkommen führen, sondern auch zu einer Neugestaltung von Berufen überhaupt. Es wird eine Zentrierung der Berufe auf naheliegende Bereiche geben. Viel weniger werden wir uns mit Aktien, Geschehnissen, Handel im Ausland beschäftigen sondern mehr mit dem alltäglichen Geschehen um uns herum. Es wird auffallen, dass viele Menschen isoliert und unglücklich leben. Es werden mehr Berufe entstehen, die einen engeren Kontakt zum Kunden beinhalten. Diese Entwicklung ist ansatzweise in Japan zu beobachten. Dort ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass viele Aufgaben von Robotern übernommen werden. Gleichzeitig übernehmen Menschen nun Aufgaben, die sonst die Familie, Freunde und Bekannte inne hatten. Viele Menschen brauchen emotionale Unterstützung, Entlastung im Haushalt, Hilfe bei Entscheidungen. Dafür braucht es aber keine professionelle Hilfe im Sinne von Therapie oder Psychologen. Es braucht einfach Menschen, die sozial begabt sind, und sich gern für Geld auf fremde Menschen einlassen. Aus diesem Grund ist das professionelle Kuscheln ein Beruf der Zukunft, nicht nur inhaltlich, sondern vom Format her.

Der Gesellschaftswandel macht natürlich enorm Angst, und wie Precht in seinem Kommentar betont, kann es durchaus sein, dass viele sich in die rechte Politik flüchten, um die Angst vor dem Wandel zu ertragen. Dieser Wandel ist jedoch nicht zu stoppen, da die Weichen schon die letzten zwanzig Jahre durch den technologischen Fortschritt gelegt worden sind. Wir Kuschler sind jedoch dazu da, unter anderem Angst vor Veränderung zu lindern. Trennung, Scheidung und auch Jobverlust gehört zu unseren Einsatzgebieten. In den USA stieg die Zahl der Kuschelkunden merklich, nachdem Trump an die Macht gewählt wurde. Immer, wenn die Gesellschaft einen Wandel erlebt, ist es gut, wenn es einen Ausgleich gibt, der eben nicht destruktiv wirkt, Precht erwähnt hier hohle Unterhaltung, sondern konstruktiv. Wir als neue Generation, die sich schon nicht mehr Arbeit unter allen Umständen wünscht, können der älteren Generation helfen, die unter dem Verlust ihrer Arbeit psychisch und physisch leidet.

Derzeit abeiten 13 Kuschler in unserem Verein, die Zahl der neuen Bewerber steigt stetig. Unser Ziel ist es, mittelfristig den Schock der Veränderung abzufedern. Langfristig wollen wir die Berührung als wesentliches Element in die Gesellschaft reintegrieren.

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