Imaginäres Interview – Teil 2

Teil 2: Kuscheln lernen – Umgang mit Emotionen

Inspiriert durch das  FM4 Interview in der Sendung „Auf Laut.“ mit Elisa hatte ich das Bedürfnis einige wichtige Fragen davon aufzugreifen, weitere zu ergänzen und ausführlich zu beantworten- in 3 Teilen.

Wenn man zuhause kaum Berührung hat, wo lernen wir das kuscheln?

  • Man muss es neu lernen – Berührung nach langem Berührungshunger ist ein Aha-Effekt. Vergleichbar mit einer neuen Brille nach einer schleichenden Erblindung. Oder einem plötzlichen Gefühl von Leichtigkeit und Sinnerfülltheit nach einer langen depressiven Phase, die man schon als „Normalzustand“ akzeptiert hat. Es braucht die Initialzündung – auch durch professionelle Kuschel-Sessions und Kuschelabende
  • Wir brauchen Aufmerksamkeit der Institutionen. Es muss an den Bildungseinrichtungen Aufklärung über Berührung geben. Auch über Ablehnung und Zustimmung (Konsens) von Berührung.
  • An Institutionen müssen mehr geschützte Räume geschaffen werden, um neue Berührungszugänge zu ermöglichen und um Berührung wieder zu lernen: Kindergarten, Schule, Pyschiatrie, Altenheim, Krankenhaus, Gefängnis, Arbeitsplatz…

Angst vor Berührung – neues Erlernen?

  • Durch Herantasten an bewusste Körperwahrnehmung
  • Schritte zu einem gesunden Verhältnis zu Berührung können sein: Vom Kopfmenschen zum Körpermenschen werden – nicht nur einen Körper haben, sondern Körper sein. Dazu kann man Körperreisemeditationen machen, wobei man einzelnen Körperbereiche im Inneren und Äußeren bewusst spürt. Auch mehr Selbstberührung im Alltag ist ein möglicher Schritt.
  • Auf Kuschelabenden/ Partys kann in einem sicheren Rahmen der Tastsinn erforscht werden und auch wieder trainiert werden. Feedback geben: Wie fühle ich mich, wie fühlt sich die Berührung an? Und wie drücke ich meine Emotion in Sprache oder Laute oder lautlose Kommunikation aus?
  • An dieser Stelle fühlen wir uns als professionelle Kuschler verpflichtet, auch Möglichkeiten anzubieten, Berührung wieder zuzulassen – in einem sicheren Rahmen. In einer privaten 1:1 Kuschelsession kann individuell abgestimmt werden, welche Berührungen passieren können und welche nicht; auch wieviel Zeit für die Annährung an Berührung genommen werden möchte.

Warum muss Nein-Sagen (zu einer Berührung zu einem anderen Menschen) bei Kuschelpartys gelernt werden? Warum fällt das vielen schwer?

  • Die Angst vor Zurückweisung hemmt sehr stark, seinen intuitiven Gefühlen Ausdruck zu verleihen: Man kommt in eine Berührung, die man nicht sehr angenehm findet und verpasst den Anfangsmoment sie abzulehnen. Man fühlt sich verpflichtet, die Situation so hinzunehmen, auch wenn es nicht perfekt ist.
  • Das wollen wir aktiv auf Kuschelpartys ändern: Es ist jederzeit in Ordnung, nein zu sagen, oder sich selbst ganz aus einer Übung herauszunehmen oder sich beim freien Kuscheln allein an den Rand zu begeben. Das Gegenüber kann in diesem Raum leicht lernen, ein Nein zu akzeptieren. Denn ein Nein geschenkt zu bekommen, ist etwas Großartiges. Der andere beweist großes Vertrauen, dass ich nicht verletzt bin, wenn ich ein Nein erhalte. Ein Nein ist ein „Jetzt gerade nicht“. Aber keine Abwertung der ganzen Person. Die gegenseitige Anerkennung geht nicht verloren.

Emotionen beim Kuscheln

  • Das Kuscheln befreit das innere Selbst. Angestautes kann in der völligen Entspannung endlich seinen Weg finden: positive und negative Emotionen – in jedem Fall wird der Kuschelpartner aufgefangen und findet eine sichere Landung für seine Gefühle.
  • Emotionen sind erwünscht, sie können frei herausgelassen werden

Erregung beim Kuscheln? Kommt sie vor? Wie geht ihr damit als professionelle Kuschler um?

  • Es gibt mindestens zwei Ebenen beim Kuscheln: Die eine ist geprägt von Entspannung und Ruhe, die andere von Erregung und Spannung und vermutlich Zwischenstufen wie etwa verspielte Spannung, die noch nicht mit Erregung verbunden ist.
  • Erregung beim Kunden: Ist natürlich, kommt vor und ist nicht verboten bei Kuschelsessions. Es ist nichts, was peinlich sein sollte. Allerdings halten wir dazu an, wieder von dem Erregungsplateau herabzusteigen in eine Ebene, die von Ruhe und Entspannung geprägt ist. Das kann mit einer bewusst ruhigen Atmung oder Kuschelpositionswechsel wirksam erzielt werden.
  • Erregung bei der professionellen Kuschlern: Ist ebenfalls natürlich und das Auftreten davon kann nicht geleugnet werden. Als professionelle/r Kuschler/in, weiß man allerdings damit umzugehen: Man kennt sehr genau die persönlichen Berührungsweisen, die zu Erregung hinführen, sodass diese idealerweise erst gar auftritt
  • Der professionelle Kuschler (wie jeder Mensch?) ist auch dazu fähig sich wieder zu einem entspannten Zustand zu führen.
  • Initime Berührungen und erotische Handlungen sind in den Kuschelsessions und den Kuschelabenden absolutes Tabu.

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