Berührung lügt nicht

Viele Menschen scheinen zu glauben, das professionelle Kuscheln sei auf irgendeine Art nur eine Kopie von „echtem“ Kuscheln, also eine Illusion von Kuscheln. Das ist ein Irrtum.

Ich erkläre hier warum.

Eine absichtslose Berührung ist immer authentisch. Berührung kann man nur in einer Aktion verfälschen, also wenn man einen bestimmten Bewegungsablauf absichtlich künstlich, also gestellt, initiiert. Aber selbst hier werden die Bewegung und die Berührung authentisch mit der Zeit, so wie dem Schauspieler die Rolle mit der Zeit auf den Leib geschneidert ist. Der Körper übernimmt nämlich Bewegung und Ausdruck recht schnell in seinen Habitus. Deswegen kann man auch irgendwann automatisch Auto fahren und muss nicht jeden Handgriff bedenken. Das ist einerseits toll, wenn es sich dabei um rücksichtsvolle, liebevolle Bewegungen handelt. Andererseits kann man sich auch einen groben Habitus aneignen, der einen auch charakterlich verändert. (Als Beispiel wären hier Fleischer zu nennen.)

Was bedeutet das fürs Kuscheln? Selbst wenn verschiedene Handgriffe und Positionen anfangs eingeübt sind, so fließen sie doch bald in eine natürlich Bewegung über, die  nicht mehr von bewußten kognitiven Prozessen gesteuert wird. In den ersten Minuten sind die Bewegungen noch etwas starr und „gewollt“, aber der Rest der Stunde wird der Körper sich unbewusst und intuitiv bewegen. In dieser intuitiven Bewegung und Berührung ist es auch erst möglich, den eigenen Charakter, den Stil, die Emotionen und die derzeitige Stimmung einfließen zu lassen. Die Bewegungen, die aus tieferen Schichten des Bewusstseins kommen, können nicht lügen. Ähnlich wie die stimmliche Tonlage nicht lügen kann. Selbst wenn man versucht, Gefühle in der Stimme zu unterdrücken, gelingt dies nicht völlig. Außer man eignet sich ein komplettes leibliches Kostüm an, indem man zum Beispiel eine selbstbewusste Person inszeniert, obwohl man eigentlich völlig verunsichert ist. Aber auch hier gilt „fake it til you make it“, irgendwann fühlt man sich wirklich sicherer als vorher.

Diese unbewusste Kommunikation ist nicht nur einseitig, das heißt, sie fließt nicht nur in den Berührten hinein. Der Körper des Berührten antwortet automatisch auf die Kommunikation. So weiß man zum Beispiel intuitiv, ob jemand einen anziehend findet oder nicht, ohne es tatsächlich bewusst zu wissen. Eine winzige Berührung kann hier schon alles verraten. Beim professionellen Kuscheln wird in der Berührung Zuneigung und Akzeptanz ausgedrückt. Dies ist das Signal, das dem Körper des Kunden bedeutet, dass er sich entspannen kann, dass er genau so sein darf, wie er ist. Es entsteht eine Bindung, da der Kuschler den Kunden hält und ihm signalisiert, dass er für ihn da ist. Selbst bei zufälligen Begegnungen ist man der Person aufgeschlossener, die man vorher zufällig schon einmal berührt hat. Diese Bindung kann leicht mißinterpretiert werden, zum Beispiel als romantisches Interesse. Das kommt unter anderem daher, dass Menschen es nicht mehr gewohnt sind, ohne Eigeninteresse akzeptiert und wertgeschätzt zu werden und vice versa. Diese Bindung ist aber an sich etwas völlig Natürliches und kann auch nur für den jetztigen Moment genoßen werden. Über die Zeit eines ganzen Lebens hinweg verschafft der Mensch sich im Idealfall viele hunderte solcher Bindungen. Einfach durch eine gemeinsam erlebte Zeit und gemeinsame körperliche Kommunikation.

Ob diese Bindungen nun mit unbekannten, bekannten oder intimen Bekanntschaften sind, spielt für den Körper grundsätzlich keine Rolle, er macht da keinen Unterschied. Eine Berührung mit einem Fremden in der Bahn kann intensiver sein als die Berührung mit der Mutter oder einer Freundin. Wichtig ist hier nur die Art der Berührung, ob sie authentisch ist oder funktionalisiert. Allerdings bewertet der Verstand oft den Kontext und reagiert dann entsprechend unterschiedlich auf den Grad der Bekanntschaft.

Alle Kuschler in unserer Liste sind darauf trainiert, sich authentisch mit den Kunden auszudrücken. Das unterscheidet uns auch von Prostituierten, die sich oft ein Alias zulegen, um eben nicht mit ihrem Wesen „bei der Sache“ sein zu müssen. (Oft ein wichtiger Selbstschutz zum Überleben.) Das bedeutet, wir lassen uns auf den Kunden so ein, wie es der Moment gerade vorgibt. Wir passen uns an den Grad der Offenheit des Kunden an und versuchen, in jedem Moment intuitiv mit unserem Körper auf den des Kunden einzugehen.

Falls ihr euch darunter noch nichts vorstellen könnt, probiert es doch einfach mal aus.

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